MEIN WEG ZUM UNTERNEHMER - PART 2

MEINE HAUSAUFGABEN

Gedanken über Gedanken

Bis zu unserer nächsten Besprechung war noch viel Zeit. Gut, es waren noch drei Wochen. Trotzdem rutschte ich unruhig auf meinem Stuhl herum. Ich wollte weiter machen. Meine Vision nahm so langsam eine Form an. Kaum ein paar Stunden nach unserem Treffen in meinem Lieblingscafé wollte ich unbedingt weiterdenken. Es hat Spaß gemacht Frau Fischer meine Idee vorzustellen. Nun hatte ich viel zu tun. Frau Fischer gab mir eine klare Hausaufgabe: Ziele definieren und meine Vision verfeinern. Ich nahm ein weißes Blatt und fing an zu schreiben:

 

Meine Ziele:

  • Bis Ende 2018 sollen 200 Senioren meine Kurse besuchen
  • Ein Kurs soll wöchentlich anderthalb Stunden dauern
  • Kurse sollen in drei Stufen unterteilt werden (Anfänger, Fortgeschrittene, Experten)
  • Ein Kurs soll max. 10 Teilnehmer haben

Mein USP

Bevor ich ging, redete Frau Fischer von meinem USP. „Unique Selling Proposition“ heißt übersetzt: einzigartiges Verkaufsargument. USP meint letztlich das Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens. Nun gut. Ich suchte also eine herausragende Eigenschaft, die mich von anderen Wettbewerbern herausstechen lässt. Ich schaute hoch. Es war schon 19 Uhr. Ich ging in die Küche und holte mir ein Glas Wein. Mit dem Wein in der Hand ging ich wieder in mein Arbeitszimmer und stellte mich ans Fenster. Minuten vergingen. Vielleicht sogar eine ganze Stunde, bis ich mir eingestehen musste: Mist, mir fällt nichts ein.

Ich dachte weiter nach. Dachte an heute Nachmittag. An unseren Spaziergang. Frau Fischer warf die Idee mit den Kreuzfahrtschiffen ein. Dort wäre schon ein Seminarraum fertig, den ich mieten könnte – vielleicht stellten mir die Veranstalter den Raum auch kostenlos zur Verfügung? Immerhin würde ich ja ihr Angebot erweitern. Was meine Zielgruppe angeht: Außerdem wäre auf einem Kreuzfahrtschiff genau die Art von Senioren, die ich ansprechen wollte: aufgeschlossene und abenteuerlustige Senioren. Anstatt zum Wassergymnastik könnten ein paar Senioren auch einen meiner Computerkurse besuchen. Oder zusätzlich? Auf einer Kreuzfahrt muss man sich ja auch die Zeit vertreiben…

 

Notiz an mich:

  • Im Internet nach Anbietern für Kreuzfahrtschiffen suchen, außer AIDA müsste es doch noch viel mehr geben
  • Informieren, welche Routen und welche Anbieter Senioren bevorzugen

 

Am nächsten Tag setzte ich mich wieder an meinen Schreibtisch. Im Internet suchte ich nach Anbietern, die Kreuzfahrten anbieten. Überrascht stellte ich fest: Da gibt es eine ganze Menge. Nun war die Zeit gekommen, meine unsortierten Gedanken auf einem weißen Blatt zu ordnen:

Ich wollte jeden Monat eine Kreuzfahrt mitmachen, die zwischen 7 und 14 Tagen lang war. 3.000 Euro müsste ich schon mit Miete für die Kabine und für die restlichen Unterhaltungskosten rechnen. Also müsste ich mindestens 8.000 Euro im Monat an Umsatz machen, damit sich meine Idee überhaupt lohnt. Ich hatte ja schließlich auch eine Familie zu ernähren. 30 Leute müssten dann pro Kreuzfahrt einen Kurs bei mir buchen. Ein Kurs müsste 400 Euro kosten à 6 Einheiten, dann würde ich einen Umsatz von 12.000 Euro machen. Schockiert schaute ich mein vollgekritzeltes Blatt noch einmal an. 12.000 Euro: Wahnsinn. Ich recherchierte im Internet und bemerkte, dass knapp 19% aller Passagiere über 60 Jahre alt sind. Im Jahr 2017 machten über 2,66 Millionen Deutsche Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Davon waren also ca. 500.000 Passagiere älter als 60 Jahre. Ich schaute erstaunt hoch. Draußen war es schon dunkel. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lange ich noch vor meiner Rechnung brütete. Eins stand fest: Die nächsten drei Wochen würden bestimmt noch spannend werden.

by Julia

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