MEIN WEG ZUM UNTERNEHMER - PART 4

SOOOOO VIEL ZU BEDENKEN

Alles für die Katz´?

Viele Gedanken habe ich mir in den vergangenen Wochen gemacht. Ein toller Name musste her, ein Logo nahm Gestalt an, nun stand der nächste Termin vor der Tür. Für 11.00 Uhr hatte ich mich mit Frau Fischer an der Aggertalsperre verabredet. Zwar kommt hier kein Kreuzfahrtfeeling auf, aber im Grünen kann ich einfach gut entspannen. Und am Wasser noch mehr. Außerdem war für diesen Tag viel Sonnenschein angesagt, da macht das Arbeiten an der frischen Luft noch mehr Spaß. Gut gelaunt und motiviert packte ich meine Sachen zusammen: Laptop und meine handschriftlichen Aufzeichnungen und Überlegungen zu Logo und Namen verstaute ich sorgfältig in meiner Tasche und machte mich auf den Weg. Ich griff nach den Autoschlüsseln. Vor der Garage blieb ich ein wenig irritiert stehen. Mein Auto war weg! Der Schreck dauerte zum Glück nur einen kurzen Moment, denn ich hatte das Auto ja gestern selbst in die Werkstatt gebracht. Diagnose "Austausch der Lambdasonde", was auch immer das ist. Da meine Frau an diesem Tag nicht arbeiten musste, stieg ich also in ihr Auto und fuhr los.

Frau Fischer wartete schon an der Staumauer auf mich und begrüßte mich freudig. Bei schönstem Wetter marschierten wir los und ich erläuterte ihr meine Ideen. Sie hörte sich alles aufmerksam an. Es ist immer wieder interessant: Wenn man redet kommen einem auf einmal immer neue Gedanken. Und so sprudelten immer neue Ideen aus mir heraus. Ich war selbst überrascht, als ich irgendwann fertig mit meinen Ausführungen war und wir schon am Ende eines Seitenarms angekommen waren. Wir blieben stehen. Gespannt sah ich Frau Fischer an. "Na, Herr Groß, da waren Sie aber sehr kreativ in letzter Zeit!", sagte sie lächelnd. Jaaaha, das war ich wohl, dachte ich stolz. Wir gingen weiter. In den folgenden 20 Minuten sprachen wir dann gar nicht über mein Logo, sondern über verschiedene Logos bekannter Unternehmen. Frau Fischer fragte mich, welche mir spontan einfielen. Klar, Logos von Nike, der Deutschen Bank oder auch Apple sind überall zu sehen und nahezu jeder kann sie spontan nachzeichnen. "Und genau das macht ein gutes Logo aus, Herr Groß!" schloss Frau Fischer meine Aufzählung. Ich kehrte gedanklich noch einmal zu meinen Überlegungen zurück. Ein brauner Laptop in dessen Bildschirm ein blaues Schiff zu sehen ist. Puh! Vielleicht war die Idee doch nicht so gut, wie ich eigentlich geglaubt hatte! Einfach sollte ein Logo. Einprägsam und einfach, das war mir nun klar.

Ganz einfach

Grübelnd ging ich neben Frau Fischer her. Es war wirklich ein toller Tag. Zwischen den Bäumen fielen immer wieder Lichtstrahlen durch die Blätter, die Sonne glitzerte auf dem Wasser. Meine Gedanken gingen mit mir auf eine Kreuzfahrt. Nach einigen Augenblicken nahm Frau Fischer das Gespräch wieder auf. Ich tauchte aus meiner Kreuzfahrt wieder in die Realität auf. Auch ihr Team und sie hatten sich schon Gedanken gemacht. Ich fand es klasse, dass Frau Fischer mir bisher die ganze Zeit zugehört hatte und sagte ihr das auch. "Es ist ja Ihr Unternehmen, Herr Groß, nicht meines!" erklärte sie mir. Klar, das macht Sinn. Basis ihrer Arbeit seien immer meine Wünsche und Gedanken. Nur dann kann das Gesamtkonzept hinterher auch authentisch sein. Das leuchtete mir ein! Und ich dachte schon, ich hätte mir alle Gedanken umsonst gemacht. Ich freute mich riesig, dass meine Gedanken nun Basis aller weiterer kreativer Arbeiten sein sollten. "Mein Unternehmen" wiederholte ich in Gedanken. Ja! Es wird mein Unternehmen! So deutlich hatte ich das noch nie wirklich formuliert! Mein Unternehmen ... Und es bekommt ein ganz einfaches Logo. Aus diesen Gedanken entwickelten sich nun wiederum ganz andere Gedanken. Weit weg von dem "alten" braun. Und auch ein neuer Name nahm langsam und sicher Gestalt an. Noch konnte ich ihn nicht richtig greifen, aber er war schon da. Irgendwo in mir drin.

Sind Menschen logisch?

Wir beschlossen, nun langsam wieder kehrt zu machen. Auf dem Rückweg unterhielten wir uns über Farben. Ich habe noch nie so wirklich über Farben und ihre Wirkung nachgedacht. Oder auch ihre Bedeutung in unserer Kultur. Signalfarbe ist rot, logisch. Wenn man mal drüber nachdenkt. Straßenschilder mit wichtiger Botschaft sind ja auch rot. Oder die Ampel, wenn man stehen bleiben soll. Aber darüber hinaus? Ich finde es ja schon erstaunlich, wie viel wir unbewusst wahrnehmen. Und welche Verkettungen so im Gehirn entstehen, ohne dass es uns auch nur ansatzweise bewusst ist. Ich staunte nicht schlecht, als Frau Fischer mir ein paar dieser unbewussten Abläufe erklärte. Und ich dachte immer, ich als Programmierer sei ein rationaler Mensch. Anfangs war ich ja noch skeptisch, aber als Frau Fischer mir aus dem Stegreif meine Automarke nannte, fing ich doch an zu grübeln. Sie werden vermutlich denken, dass das ja auch keine Kunst ist, da Frau Fischer mich ja an der Staumauer hat ankommen sehen. Allerdings war ich ja heute gar nicht mit meinem Auto unterwegs, sondern mit dem Wagen meiner Frau. Ich war baff! "Woher haben Sie das gewusst?" wollte ich wissen. Frau Fischer lachte. Sie erklärte mir, dass die meisten Menschen eindeutig einer Automarke zuzuordnen seien. Jede große Marke bedient bestimmte Motive. Diese seien in jedem Menschen angelegt, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Ich hörte staunend zu und glich die Ausführungen von Frau Fischer im Kopf mit meinen Bekannten ab. Mein Nachbar Marc, der erfolgreiche Unternehmensberater, der gerne segelte: BMW. Mein Vater, der frühere Lehrer mit dem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis und dem Sinn für Familie: Volvo. Mein Freund Dirk, ebenfalls Programmierer, der - obwohl er sich ein tolles Auto leisten könnte - einen alten, verrosteten Mitsubishi. War das wirklich "so einfach"? Konnte man Menschen und Werbung so einfach verstehen? Naja, gut. Ich muss eingestehen, dass es gar nicht so einfach war. Für Psychologie und solche Dinge hatte ich mich bisher nie interessiert. Computer sind einfach. Und logisch. Aber Menschen? Aber je mehr ich mit Frau Fischer darüber sprach, desto mehr Sinn machte das Ganze für mich. Und um so mehr Sinn es machte, desto mehr erkannte ich meine Denkfehler in meinen Überlegungen. Sowohl zum Namen als auch zum Logo.

Kreativität trifft Logik

 

Nach gut 3 Stunden und einigen gelaufenen Kilometern kamen wir schließlich wieder am Parkplatz an. Ich war total euphorisch und ganz aufgeregt. Auf dem Rückweg hatte Frau Fischer meine Gedanken aufgegriffen und mit ihrer Vorarbeit zusammengepackt. Das Ergebnis war für mich sehr überraschend aber einfach nur genial! Vor meinem geistigen Auge nahm nun alles immer mehr Gestalt an und ich sah bereits nicht nur das Logo, sondern auch schon die Flyer vor mir. Frau Fischer hatte es geschafft, mir ein genaues Bild davon zu zeichnen, wie wir meine zukünftigen Kunden erreichen und begeistern konnten. Wir verabredeten uns für Ende der Woche zu einem weiteren Termin. Bis dahin wollte Frau Fischer mit ihrem Team nun die erarbeiteten Ergebnisse visualisieren. Voller Vorfreude und sehr zufrieden mit dem heutigen Tag verabschiedeten wir uns und ich stieg breit grinsend ins Auto. Vor lauter Ideen sprudelnd rief ich Zuhause an und berichtete meiner Frau von dem Spaziergang. Ich schilderte ihr wort- und bildreich wie mein zukünftiges Logo aussehen würde. Sie musste lachen, denn eigentlich bin ich nicht der große Redner, doch jetzt sprudelten die Worte nur so aus mir raus.

Mein Fazit?

  • Logos zu gestalten ist gar nicht so leicht!
  • Werbung sollte authentisch sein
  • braun ist nicht meine Farbe!

by Ennie

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